Es ist morgens, die Sonne ist über den Hochhäusern noch nicht ganz aufgegangen. Der Himmel strahlt rosa und es weht ein kühler Wind. Es ist 7:15h und trotzdem ist es schon so warm, dass man im T-shirt und langer Hose beginnt zu schwitzen. Die Tage werden kürzer, die Sonne geht immer später auf. Auf dem Weg trifft man fast niemanden, einige Menschen joggen um den See, andere hetzen schnell zur Schule oder zur Arbeit, aber die meiste Zeit ist man allein.
Mittags, 12:00h. Die Sonne brennt. Es sind um die 38° und alle sind gestresst schnell nach Hause zum Mittagessen zu kommen. Auf der Strasse drängeln die Autos, am See gehen die Menschen so nah an den Bäumen wie möglich, um wenigstens etwas Schatten zu bekommen. Vorbei an dem großen Park in dem man manchmal die großen Schildkröten sehen kann, an dem See, auf der anderen Seite die schönen Villen und dann bin ich da.
In meinem neuen zu Hause. In der Stadt, die ich so lieb gewonnen habe, die für mich in den letzten 6 1/2 Monaten meine Heimat geworden ist.
Langsam ist bei mir wieder der Alltag eingekehrt. Montag habe ich in meine 3. Gastfamilie gewechselt. Hier habe ich jetzt einen Gastbruder, der aber in Curitiba wohnt und studiert und meine Gastschwester Anna, die auch 17 Jahre alt ist und mit der ich viel unternehme.
Dienstag bin ich das erste mal wieder zur Schule gegangen. Nachdem ich von meinem Gastvater morgens nicht geweckt wurde und ich gott sei dank von selbst zur richtigen Zeit aufgewacht bin, gefrühstückt habe, ausversehen den Alarm im ganzen Haus ausgelöst habe (ich wollte nur die Haustür aufschließen!) wurde ich glücklich von meinen Mitschülern begrüßt. Die meisten habe ich über 2 Monate nicht gesehen und ich bin froh, dass ich sie jetzt wieder jeden Tag um mich habe :). Ich lerne jetzt im 2. Jahr der Oberstufe, was in Deutschland ungefähr der 11. Klasse entspricht, allerdings ist der Stoff sehr viel einfacher und auch sind meine Mitschüler 2 Jahre jünger als die 11. Klässler in Deutschland.
Und dann kam es endlich: mein allererstes und wahrscheinlich einziges Karneval in Brasilien!
An Karneval veranstalten die großen Sambaschulen in Rio de Janeiro und Sao Paulo einen Wettbewerb. Die beste Sambaschule gewinnt einen Preis, außerdem können die Schulen von der 2 Liga in die 1. Liga aufsteigen und haben so die Möglichkeit im nächsten Jahr den Sieg zu erkämpfen!;)
Hier im Innland gibt es weder Karneval noch Samba, was ich ganz schön schade fand. Samstag war ich mit Anna und ihren Freunden in einem Dorf in der Nähe von Toledo auf einer großen Party. Ungefähr 2000 Leute waren dort und wir haben die ganze Nacht zu brasilianischer Karnevalsmusik getanzt und uns unterhalten. Ich habe viel von meinem Leben in Deutschland erzählt, was die meisten meiner neuen Freunde natürlich sehr spannend fanden :).
Gesternabend war ich mit Anna und ihren Freundinnen bei Annas Freundin Sasha zum Churrasco eingeladen. Dort gab es auch wieder typisch brasilianische Karnevalsmusik und einige waren auch als die Menschen aus Rio Grande do Sul (Gauchos) verkleidet!:))
So, einen ausführlichen Bericht über mein brasilianisches Leben gibts nächstes Mal! Ich habe im moment ziemlich wenig Zeit, das nächste mal schreibe ich mehr und lade auch wieder Fotos hoch! :)